Wenn es im Obergeschoss summt, dann haben Sie möglicherweise ein Wespennest unter dem Dach. Zunächst gilt: Ruhe bewahren. Wespen sind relativ ungefährlich – nur zwei von acht Echten Wespenarten in der Schweiz gehen überhaupt auf Nahrungssuche bei Menschen. Wollen Sie Wespennester dennoch loswerden, sollten Sie einen Experten verständigen. Die eigenständige Entfernung des Wespennests wird nicht empfohlen. Wespennest unter Dachziegel oder im Dach?So schön der Hochsommer ist, gibt es oft einen kleinen Wehrmutstropfen: Ob Picknick am See oder Abendessen auf der eigenen Terrasse, sobald Nahrungsmittel ausgepackt werden, sind die Wespen oft nicht fern. Die natürliche Reaktion: schnell weg. Flucht ist jedoch keine Alternative, wenn Wespen samt Wespennest unter dem Dach einziehen. Für unser Ökosystem übernehmen Wespen wichtige Aufgaben wie Bestäubung und Schädlingsbekämpfung. Für Eigenheimbesitzer sind Sie jedoch eine Belastung für Nerven, Bausubstanz und Dachdämmung. Wenn Sie ein Wespennetz auf dem Dachboden oder am Haus entdecken, sollten Sie wissen, was zu tun ist.Wo bauen Wespen bevorzugt ihr Nest?Zunächst müssen Sie beliebte Wespennistplätze kennen. Wespen suchen dunkle, trockene und geschützte Räume. Da kommen Hohlräume, die charakteristisch für Kaltdächer sind, oder Dachböden gelegen. Folgende Verstecke sind bei Wespen beliebt: Rollladenkasten Dachziegel Dachüberstand Dachbalken (Dach-)fenster Spalten und Risse im Mauerwerk Schuppen/Unterständen im Garten Häufig finden sich Wespenester an Südwestseiten von Häusern. Hier entstehen ideale Temperaturen für die Brutpflege. Wann beginnen Wespen mit dem Nestbau?Um den Wespennestbau und die mögliche Ansiedlung am eigenen Zuhause besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den natürlichen Zyklus eines Wespenvolks: Wespenvölker überdauern etwa ein Jahr. Während jedes Wespenvolk im Winter stirbt, verfallen befruchtete Jungköniginnen in Winterstarre. Anfang bis Mitte April erwachen die Jungköniginnen aus dem Winterschlaf, suchen Nistplätze und beginnen mit dem Nestbau. Aus Materialien wie Holzfasern bauen sie zwischen zehn bis 20 Brutwaben, die sie mit befruchteten Eiern versehen. Aus diesen schlüpfen Arbeiterinnen, die das Nest erweitern.Im Sommer wächst das Wespenvolk auf bis zu 4.000 Exemplare heran. Die Wespenhochsaison liegt zwischen Juli und August. Zu diesem Zeitpunkt ist die Brutpflege abgeschlossen: Arbeiterinnen kümmern sich vor allem um Nahrungssuche, die männlichen Drohnen um die Begattung von Jungköniginnen. Im Spätherbst sterben sowohl die Drohnen als auch die Altkönigin, während befruchtete Jungköniginnen Winterquartiere suchen. Der Wespenstaat stirbt im Winter, und der Kreislauf beginnt erneut. In der Schweiz gilt das Tierschutzgesetz nur für Wirbeltiere, dazu zählen keine Insekten wie Bienen, Wespen oder Hornissen. Dennoch sollte die Entfernung von Insektennestern im Allgemeinen nur in Erwägung gezogen werden, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe von Allergikern oder Kindern befinden oder wenn das Nestbauverhalten der Insekten potenziell Schäden am Haus verursachen könnte. Da sowohl Bienen als auch Wespen und Hornissen wichtige Rollen in unserem Ökosystem spielen, wird dringend davon abgeraten, diese Tiere mithilfe von Gift zu töten. Wespennest umsiedelnWelche Optionen bleiben jedoch, wenn Sie Wespen unter Dachziegeln vertreiben möchten oder sich mit einem Wespennest im Dach unwohl fühlen? Ist das Nest bereits da, empfehlen wir Ihnen, holen Sie sich Unterstützung von einem Experten. Dazu zählen Naturschutzbehörden, Imker, Feuerwehren oder professionelle Schädlingsbekämpfer. Ein Wespennest zu entfernen, kostet je nach Anbieter zwischen 180 und 480 Franken inklusive Anfahrt. Günstiger als ein professioneller Schädlingsbekämpfer ist die Feuerwehr. In einigen Kantonen übernimmt sie die Entfernung von Wespennestern.So können Sie den Nestbau vorbeugenUm Nestbauten und summende Mitbewohner von Anfang an zu vermeiden, hilft einfache Prävention.Tipp 1: Öffnungen an Rollladenkästen verschliessenWespen lieben Rollladenkästen. Sie sind dunkel, geschützt und wohltemperiert. Dafür können Wespen hier auch merklichen Schaden an Zugbändern und Holzkästen anrichten oder Rollläden blockieren. Sorgen Sie mit Bürstendichtungen vor und verschliessen Sie so mögliche Zugänge. Tipp 2: Risse in Dach und Hauswand verschliessenWespen, die in Rissen in Fassaden oder unter dem Dach nisten, können sich beim Nestbau ins Baumaterial hineinfressen und Schäden an Bausubstanz, Fensterrahmen und Dämmung verursachen. Blockieren Sie diese Schlupflöcher frühzeitig mit Gips, Bauschaum oder Silikon. Um sowohl Wespen als auch andere Tiere wie Mardern auf dem Dachboden den Zugang von vornherein zu verwehren, sollten im Zuge einer Dachsanierung bei Altbauten mögliche Öffnungen verschlossen werden.Tipp 3: InsektenschutzgitterBei Wespennestern in Rollladenkästen schützt ein am Fenster angebrachtes Fliegengitter am Dachfenster vor unliebsamen Besuchen der Wespen in Innenräumen. Fragen Sie bei Ihrem Wespenberater nach, ob er den Insektenschutz am Fenster für Sie anbringt. So kann das Wespennest bestehen bleiben und Sie müssen sich keine Sorgen um Wespen im Haus machen. Tipp 4: Nestattrappen aufhängenWespen lassen sich mit sogenannten Wespennest-Attrappen austricksen. Die Nestattrappen werden an möglichen Nistplätzen aufgehängt, so dass eine Königin das Dach als besetzt wahrnimmt. Nestattrappen sind online und im Baumarkt erhältlich.Tipp 5: Alte Nester hängen lassenAlte Wespennester werden dem Bund für Umwelt und Naturschutz zufolge nie zweimal besiedelt. Lassen Sie ein altes Nest als Abschreckung also einfach an Ort und Stelle hängen.Tipp 6: Nistplätze reinigenWespen sind geruchsempfindlich und orientieren sich an Gerüchen von Artgenossen. Beugen Sie vor, indem Sie alte Nistplätze sorgfältig reinigen. Im Frühjahr können Sie zusätzlich ätherische Öle oder Kräuter nutzen, um Wespen abzuschrecken. Besonders empfindlich reagieren sie auf Pfefferminz, Lavendel, Teebaumöl, Basilikum, Nelken und Knoblauch.Tipp 7: Dachbegrünungen für ArtenvielfaltWespen sind wichtige Insekten für die Natur. Wer also sein Dach einerseits isolieren, mögliche Öffnungen verschliessen und gleichzeitig Artenvielfalt fördern will, sollte eine Dachbegrünung in Erwägung ziehen.